Was ist eine demokratische Schule?

Unser Konzept orientiert sich an der weltweit verbreiteten Konzeption der Demokratischen Bildung,
in der Demokratie nicht nur gelehrt, sondern konsequent gelebt wird. Die ersten sogenannten
Demokratischen Schulen wurden 1987 in Hadera (Israel) und Sand (England) gegründet (vgl.
Pellinghaus und Wetzel 2014; Hecht 2002). Mittlerweile existieren weltweit ca. 207 und in
Deutschland zwölf dieser Schulen.

Demokratische Schulen sind Schulen, die im Inneren durch drei demokratische Prozesse
demokratisch organisiert werden:

Alltagspartizipation
Das Schulleben in der Demokratischen Schule wird durch Schulgremien (z.B. Schulparlament)
organisiert, an denen Schüler_innen und Erwachsene gleichermaßen mit einer Stimme pro
Mensch mitbestimmen, mitentscheiden und mitgestalten können (vgl. Eikel 2007).

Pluralistisches Lernen
An unserer Grundschule wird den Schüler_innen, aber auch den Erwachsenen ein großes
Vertrauen entgegengebracht, ihren Lernprozess selbstständig zu steuern und somit zu gestalten.
Schüler_innen haben daher die Freiheit zu entscheiden, wann, was, wie, wo und mit wem sie
lernen und spielen (vgl. u. a. Hecht 2002; 2010; Kashi 2008). Anders als bei den
Bildungskonzepten nach Montessori, Waldorf oder Freinet gibt es an einer Demokratischen Schule
keine verpflichtenden Lernzeiten.

Dialogische Beziehungen
Die Beziehung zwischen den Mitgliedern unserer Demokratischen Schule basiert auf einem
Dialog, welcher auf den Prinzipien der Gleichwürdigkeit und des gegenseitigen Respekts beruht
(vgl. Juul 2008, S.23ff.).

Seit 2014 wirken wir, Bildung Inklusive e.V., im europäischen Dachverband für Demokratische
Schulen (EUDEC) mit und möchten nun in Sachsen-Anhalt die erste Demokratische Schule
gründen.

Literatur:
Eikel, A. (2007): Demokratische Partizipation in der Schule. In: Eikel, A.; de Haan, G. (Hrsg.):
Demokratische Partizipation in der Schule ermöglichen, fördern, umsetzen. Schwalbach/Ts.:
Wochenschau Verlag, S. 7-39.
Hecht, Y. (2002): Pluralistic Learning as the Core of Democratic Education. Vortragsmanuskript
Keynote IDEC 2002, Christchurch (NZ). URL: http://www.aapae.edu.au/documents/pluralistic.pdf
[Stand November 2014].
Hecht, Y. (2010). Democratic Education. A beginning of a Story. Israel: Developing a Culture of
Innovation Company Ltd.
Juul, J. (2008): Was Familien trägt: Werte in Erziehung und Partnerschaft. Ein Orientierungsbuch.
München: Kösel.
Kashi, U. (2008). Demokratiebildung in Israel. Geschichte und aktuelle Ansätze.URL:
http://www.stiftungevz.
de/fileadmin/user_upload/EVZ_Uploads/Publikationen/Studien/Demokratiebildung_in_Israel_
mit_Vorwort_AJC_ENDFASSUNG.pdf
Pellinghaus, L.; Wetzel, A. (2014). Democratic Education und das Lernen. - eine Einführung. In:
Boban, I.; Eckmann, T.; Hinz, A. (Hrsg.). Lernen durch Vielfalt. Variationen aus der
sozialästhetischen und inklusiven Praxis. 12 Bände. Bochum/Freiburg: projekt verlag (Beiträge
zur Sozialästhetik, 12), S. 19-47.